Bewusst impulsiv!

Jeder kennt den Zustand des Aufschiebens, Herumlungerns, Ablenkens. Eigentlich müsste man ja, aber … Es gibt unzählige Texte über Prokrastinieren. Und bestimmt wurden viele Texte geschrieben, um eine eigentlich anstehende Aufgabe zu vermeiden. Ich möchte es anders machen. Ich möchte darüber schreiben, wie es gelingen kann, aus der Prokastinationsfalle zu entkommen und anzufangen.

Das Geheimnis

Ok, eigentlich ist es kein großes Geheimnis: man fängt einfach an.

Oft ist es aber leichter gesagt als getan. So erging es auch einem Freund von mir. Er ist selbstständig tätig und hatte sich an einem Freitag vorgenommen, Dokumentationen zu schreiben. Stattdessen aber frühstückte er ausgiebig, las Zeitung, machte zwei Wäschen und … rief mich an. Er fragte mich, wie er es schaffen könnte, endlich anzufangen. Mit meiner Antwort „naja, du musst halt einfach anfangen“ war er nicht zufrieden. Genau DAS hatte ja bisher nicht geklappt.

— Hier ein kurzer Zwischentext über eine persönliche Eigenart —

Immer wieder wird mir gesagt, dass ich ziemlich impulsiv sein kann. Es kommt z.B. vor, dass ich entspannt irgendwo sitze, ganz plötzlich aufspringe, etwas rufe und anschließend etwas hole/aufschreibe/nachschaue/… Ich bin meist selbst davon überrascht, warum es so schnell geht. Eine bewusste Entscheidung habe ich gefühlt nicht getroffen. Tja, impulsiv halt. Diese Eigenart hat mir schon den einen oder anderen Spitznamen eingebracht. Aber weil alles so schnell geht, bekomme ich es meist nicht mit und deswegen glaubte ich auch lange nicht daran, dass ich etwas Impulsives an mir haben könnte.

— Zurück zum Telefonat mit meinem Freund —

Während ich also mit meinem Freund sprach, fiel mir meine „angebliche“ Impulsivität ein. Ich bemerkte, dass die Impulsivität genau das machte, was mein prokrastinierender Freund gebrauchen konnte: so schnell eine Handlung beginnen, dass sein Gehirn keine Zeit hat, darüber nachzudenken, ob es darauf Lust hat oder nicht.

Das wollte ich ausprobieren. Ich erklärte meinem Freund meine Idee: Er solle sich einfach ganz impulsiv an die Dokumentation setzen und schneller anfangen zu arbeiten, als sein Gehirn bewusst entscheiden würde. Um diese Impulsivität geraderecht zu provozieren, gab ich ihm den Tipp, auch unser Telefonat impulsiv zu unterbrechen. Ich würde einfach weitersprechen und er solle den Hörer hinwerfen, aufspringen, an den Schreibtisch rennen und ….

Da bemerkte ich, dass mein Freund nicht mehr am anderen Ende der Leitung war.

Ich freute mich über diesen kleinen Spaß, glaubte aber nicht so recht daran, dass es wirklich funktioniert haben könnte. Vor meinem inneren Auge stand mein Freund gerade in der Küche und brühte sich „nur noch schnell“ einen Tee auf…

Eine Woche verging und ich fand eine E-Mail in meinem Postfach:

„Freund, ich muss mich für deinen Impuls bedanken! Bin bis jetzt gut mit meiner Doku vorangekommen, gestern war ich sogar annähernd fleißig…“

Das brachte mich zum Nachdenken. Und ab jetzt empfehle ich jedem Prokrastinierenden:

Seien Sie impulsiv! Fangen Sie schneller an zu arbeiten, als es Ihr Gehirn bemerkt!

2 Gedanken zu „Bewusst impulsiv!

  1. Habe gerade so gut lachen müssen, dass es mir einen Komentar wert ist 😀
    Danke!

    Als anderen Ansatz hatte ich im Kopf, dass man sich viel mehr als über die bevorstehende Arbeit lieber Gedanken über das am Ende der Arbeit stehende Ergebnis machen sollte, schön detailliert. Vielleicht hilft das ja beim Dranbleiben, wie man ins Tun kommt ist hier ja geklärt…

    1. Ja, ich glaube auch, dass das eher beim Dranbleiben hilft. Wobei, wenn man dann erstmal dabei ist und im besten Fall in den Arbeitsflow gekommen ist, muss man sich eigentlich gar keine Gedanken mehr machen 😉

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